Irland: Dingle – Ballycastle

Im Hostel in Dinge traf ich auf Giulio. Ich kannte ihn bereits von Cork, wo wir einen Nachmittag zusammen verbrachten. Als auch ich zurück auf dem Fahrrad war, holte ich ihn wieder ein und die folgenden Wochen kreuzten wir uns immer wieder ganz unvorbereitet. Wir verbrachten Regentage zusammen, bei Sonnenschein hatten wir aber unterschiedliche Interessen. Er war immer auf der Suche nach Pützen, wo er seine Angel benutzen konnte, ich freute mich auf viele bevorstehende Wanderungen.

In Dingle fand mich auch das irische Wetter. Wind, viel Wind und Regen, hauptsächlich Regenschauer, waren nun mein täglicher Begleiter. Von einer Westküste soll man ja auch nichts anderes erwarten. Und schwierige Verhältnisse und raue Küsten mochte ich schon immer.

Auf der nächsten Halbinsel wartete die Loop Head Runde auf mich. Diese begeisterte mich fast noch mehr als jene auf Dingle. Auf dem Weg zur Spitze hatte ich allerdings auch ganz schön zu kämpfen. Mache Windböen brachten mich regelrecht zum Stillstand und ich bekam einige Duschen ab, von Wellen, welche auf die Küstenstrasse peitschten. Vom Leuchtturm zu den Cliffs of Mohor, meinem nächsten Zwischenziel, vergingen dank Wind nur Sekunden und ich konnte auf dem Klippenweg so viel Zeit verbringen, wie ich wollte. Mit ihren 214 Metern Höhe waren sie nicht die höchsten Felsenriffe, auf welche ich in Irland stiess, doch definitiv die meist besuchten.

 

Die Entscheidung, ob ich Galway oder die Aran Inseln besuchen wollte, fiel mir nicht leicht. Eine Kombination hätte ein zu langer Umweg bedeutet. Doch der Besuch auf Inis Oírr und Inis Mór war die Richtige. Meine Güte, ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie sind von einem 1.600 Kilometer langen dichten Netzwerk aus Trockensteinmauern überzogen, um das in nahrhaften Boden umgewandelte Land, vor den windigen Launen des Atlantiks schützen. So viele Steinmauern! Die Bewohner der Aran Islands hüten bis heute keltisches Brauchtum und pflegen die keltische Sprache. Auf einer hundert Meter hohen Klippe mit fantastischer Aussicht über dem Meer steht ein altes Steinfort aus der Eisenzeit. Auf dem höchsten Punkt von Inis Oírr thront die Ruine der mittelalterlichen Burg der O´Briens. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein – und dies ist auch gar nicht verwunderlich. Würden die Inseln nicht von Touristen besucht, würden sie wohl nicht mehr lange bewohnt sein.

 

Zurück auf dem Festland befand ich mich in der Region, die für den Kontrast zwischen weitläufigen grünen Tälern mit kleinen Seen, Moorlandschaften und den Gebirgszügen Twelve Bens berühmt ist. Ein Nationalpark mit spektakulären Wanderungen. Nur leider war das Wetter mal wieder so übel, dass es sich nicht lohnte, diese in Angriff zu nehmen. Anstelle machte ich Ausflüge auf den Diamond Hill und den Croagh Patrick, welche auch ganz nett waren. Auch auf der Achill Island hatte Wetterpech. Die Wanderung war definitiv weniger sinnvoll eingesetzte Zeit. Der Gipfel war so wolkenverhangen und nass, dass ich nur erahnen konnte wie hoch und spektakulär die Klippen waren, auf welchen ich mich befand. Ein paar Tage nahm ich die Stairway to Heaven in Angriff und versuchte mein Glück erneut. Was für eine tolle Wanderung. Man folgt einem Holzsteg, welcher quer durch die eindrucksvolle Moorlandschaft und bis auf das Gipfelplateau führt. Oben erwartete mit einem Grab aus der Bronzezeit und die Sonne. Endlich!

Noch beeindruckender war die Wanderung am Slieve League. Auf einer Grat kletterte man auf allen vieren auf die 600 Meter hohen Klippen hinauf. Vergesst die Cliffs of Mohor. Diese hier sind die höchsten von ganz Europa, deutlich beeindruckender und man hatte sie nur mit ein paar gleich gesinnten Abenteurerlustigen zu teilen.

Nur weil ich jetzt von Wanderung zu Wanderung fuhr, heisst nicht, dass die Gegend im Norden Irlands langweilig wurde. Ganz im Gegenteil. Mir gefiel es hier besser. Dies vor allem, da es hier deutlich weniger Verkehr hatte. Wenn ich Irlands Strassen in einem einzigen Wort zusammenfassen müsste, wäre dies: Schmal! Oftmals nur breit genug für ein einziges Fahrzeug. Man traute sich nicht mich zu überholen und führ bis zur nächsten Ausweichstelle im Schneckentempo hinter mir her. Dadurch empfand ich Radfahren in Irland oft ein ziemlich stressiges Erlebnis. Abschwenken auf eine Nebenstrasse kann man auch nicht wirklich, denn dann wird einfach die Landschaft langweilig und es gibt nur noch rollende, grüne Hügel und Schafe.

 

Ich erreichte die Nordküste von Irland. Am Malin Head erwartete mich eine der schönsten Panoramablicke der Insel. Und man musste sie nicht mit Tausenden von anderen Touristen teilen. Ich blieb drei Nächte.

Das zweite Highlight war deutlich mehr besucht. Mein Timing war aber auch schlecht geplant. Der Giant’s Causeway besteht aus etwa 40.000 gleichmässig geformten Säulen mit sechseckigem Querschnitt. Die grössten der Gesteinsformationen haben eine Höhe von zwölf Metern. Ein weiterer magischer Ort und toller Abschluss für meine Reise in Irland. Am Tag darauf nahm ich die Fähre nach Schottland.

Wenn du auch eine*r von denen bist, die schon immer davon geträumt haben, nach Irland zu reisen und das Land mit dem Fahrrad zu erkunden, dann würde ich dich bestimmt dazu ermutigen, es zu tun. Die Landschaft ist atemberaubend, die Städte und Dörfer sind charmant, die Leute sind freundlich, die Scones wunderbar. Aber vergiss nicht, ab und zu vom Fahrrad zu steigen. Nur zu Fuss gelangst du an Orte ohne geteerten Untergrund, ohne Verkehr. Und eins noch: Lass dich nicht vom Wetterbericht abschrecken. Man hat mehr Sonnenschein, als erwartet.

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s