Inner and Outer Hebrides

Alles was Du über Schottland gehört hast, ist wahr. Es ist grossartig. Es zählt nicht unbedingt zu den grossen Radfahrnationen, doch das Land ist zum Touren ein Paradies. Minus das Wetter vielleicht. Aber hey, man ist ja dementsprechend ausgerüstet. Ausserdem ist die Landschaft so erstaunlich, dass die Sonne schnell zweitrangig wird. Kristallklare Flüsse und Seen, bizarre Berge und das Meer sind immer in der Nähe. Neben dünnster Besiedlung und einer sehr niedrigen Verkehrsdichte  gibt es hier zudem endlich wieder befahrbare Wege, welche nicht auf den üblichen Strassenkarten eingezeichnet sind.

Spannend wurde meine Radreise ab Oban, dem „Gateway to the Isles“. Innerhalb der nächsten Wochen wollte ich zwölf Inseln der äusseren und inneren Hebriden besuchen.

Endlose weisse Sandstrände, glasklares hellblaues Wasser und saftige grüne Wiesen mit Wildblumen erwarteten mich. Zudem warmes und sonniges Wetter. War ich wirklich noch in Schottland? Auf der Fähre nach Barra traf ich auf viele andere Tourenradler. Mit jenen, die gleich zugepackt wie ich waren, sprich auch mit dem Zelt ausgerüstet, verabredete ich mich am Vatersay Beach für die erste Nacht.  Davor wollte ich zuerst noch den Hausberg Heaval der Insel besteigen. Begleiten wollte mich niemand, dafür erwartete mich später ein Topf Pasta und Whisky.

In den nächsten Tagen erkundete ich die Äusseren Hebriden. Das Fahrrad erwies sich mal wieder als ideales Fortbewegungsmittel. Benutzen der Fähren kostete praktisch nichts und die Tickets mussten nicht im Voraus gekauft werden. An jedem Hafen gab es öffentliche Duschen, ein Kaffeeautomat, Wifi und verzweifelte, mich unterhaltende Wohnwagentouristen, welche keine Reservation für die Boote hatten.

Auf dem Weg in den Norden erlebte ich einen atemberaubenden Szeneriewechsel und es wurde mehr und mehr schottisch. Nebelverhangene Hügel, eine schroffe Mondlandschaft, zerklüftete Küsten und endlose Moorgebiete erwarteten mich. Die Fahrt ging entlang an kleinen Minifjords und durch idyllische Fischerdörfer, vorbei an den Steinkreisen von Callanish bis hoch an den stürmischsten Punkt von Grossbritannien, den Butt of Lewis. Ich hatte noch immer das schönste Wetter und konnte mal wieder meine Tanlines pflegen.

Von den Äusseren Hebriden nahm ich die Fähre auf die Insel Skye.  Hier musste ich die berühmtesten Landschaften Schottlands allerdings mit sehr vielen anderen Touristen teilen. Ich fuhr über den Quiraing, ein durch viele Felsrutsche entstandenes bizarres Felslabyrinth, machte eine Wanderung um den Old Man of Storr und pedalte weiter zum Cuillin Massiv, wo es einen Schwumm in den Fairy Pools gab. Die Zeit auf Skye war richtig anstrengend. Ich sah mir Sonnenuntergänge an, bewunderte Sonnenaufgänge und genoss fantastische Lichtspiele, welche den Tag über durch das wechselhafte Wetter entstanden.

Über Mull fuhr ich zurück nach Oban. Ich fuhr die Strecke zusammen mit Oliver aus Amerika. Die Insel bot keine riesigen Sehenswürdigkeiten, doch wir trafen hier auf viele wilde, unberührte Natur. Die drei Hirsche, welche am Abend um unser Zelt schlichen, liessen wir unbeobachtet grasen. Die Midges, kleine stechende Fliegen, waren mal wieder so aktiv, dass wir uns nach dem Aufbau der Zelten schnell in unseren Schlafsäcken verkrochen.

Zurück in Oban begann ein neues Kapitel meiner Radreise. Es nennt sich Volunteering. Für zwei Stunden Arbeit gab‘s eine gratis Nacht im Hostel inklusive Frühstück. Ich putzte Toiletten, bezog Betten, tat alles, was halt so anfällt. Im Gegenzug hatte ich einen trockenen Ort, wo ich endlich all meine aufgestaute Schreibarbeit erledigen konnte. Luc besuchte mich für drei Tage und wir erkundeten den Küstenwanderweg und mehrere Burgen zusammen. Es gab mal wieder Fish & Chips und ich genoss es in einer voll ausgestatteten Küche. Ich traf auf viele interessante Leute, schloss neue Freundschaften und kam dadurch mit meiner Büroarbeit doch nicht so schnell vorwärts wie mir vorgenommen. Ich liess mich deshalb im Hostel in Pitlochry für den gleichen Deal ein.

Dazwischen konnte ich mich eine Woche lang auspowern. Ich fuhr zum Harry Potter Viadukt, wanderte auf einer spektakulären Klippenwanderung auf Ben Nevis und bog dann ab ins Hinterland. Hier in Schottland gibt es endlich wieder versteckte Gravelroads, welche man befahren darf. Allerdings weiss man nie so genau, was für ein Terrain einem erwartet. Nicht einmal lokale Mountainbiker*innen konnten mir über meiner Routenwahl Auskunft geben. Ich wagte es trotzdem. Der Wanderweg war auf ganzer Strecke fahrbar, allerdings musste ich um die zwanzig Gewässer, unterschiedlicher Tiefe furten. Es war grossartig und der versteckte See, welchen ich so fand, bestimmt tausend Mal schöner als das Loch Ness.

In Pitlochry blieb ich zwei Wochen. Wieder war viel Putzen angesagt. Wir waren ein durchmischtes Team aus Leuten aus Taiwan, Hongkong, Deutschland, Paris, Italien, Spanien und Australien. Wir kochten zusammen, es gab jeden Abend Bier aus der Flasche, ich genoss mal wieder einen Film mit Popcorn. Daneben verbrachte ich viel Zeit hinter meinem Laptop. Der Job war okey, aber zwei Wochen an einem Ort waren definitiv genug. Ich hatte zu wenig Bewegung. Ich vermisste das Leben auf der Strasse, die Überraschungen welch jeden Tag auf einen warten. Schottland hat mich so richtig gepackt, ich wollte zurück auf mein Velo.

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