Algeciras – Monsaraz

Der Fährehafen in Tanger liegt 50 Kilometer ausserhalb der Stadt. Und auf dieser Strecke konnte ich mich langsam wieder auf Europa vorbereiten. Man sprach wieder Spanisch und es erwarteten mich riesige Hotelkomplexe. Doch der weniger zugebaute Raum entlang des Mittelmeeres war einmalig, denn dank sonnigem Wetter hatte ich während der ganzen Etappe Ausblick auf Europa. Da kam ich dann auch am Abend an. Selbstverständlich verfuhr ich mich wie immer als erstes im Hafen, anschliessend war ein einsamer Strand für die Nacht schnell gefunden.

Während mein Fahrrad in Algeciras mit einem neuen occasion Hinterrad ausgerüstet wurde, besuchte ich mit Alex Tarifa und ass mich durch diverse Tapas. Es war toll mich mal wieder von etwas anderem als einer Tajine zu ernähren, nur schade dass es die spanische Küche auf dem Menüplan stand.

Zurück auf dem Fahrrad ging es nach Gibraltar. Einer der seltsamsten Orte an dem ich mich je befand. Gibraltar ist kein einfacher Ort zum Radfahren, aber als ich die riesige Schlange von Autos an der Grenze sah, war ich froh so anzureisen. Auf der anderen Seite der Grenze gab es sogar einen Radweg. Und dieser führte doch tatsächlich quer über die Landebahn ihres Flughafens. Ein Nachmittag genügte dann um die englischen Besetzung, mit ihrem Reichtum, dem Felsen und den wilden Affen zu erkunden.

Zurück in Spanien ging es zu den berühmten weissen Dörfer entlang der Ruta de los Pueblos blancos. Im Sommer eine klimatische Oase, zu dieser Jahreszeit scheusslich kalt. Auf jeden Fall, wenn man gerade zurück aus Marokko ist. Meine Strecke begann mit einem langen Aufstieg. Je höher ich kam, desto kühler wurde es und ich genoss viel viel Regen. In der Nacht gewitterte es richtig und die Donner waren so laut, das ich das Gefühl hatte die Berge brechen über mir zusammen. Den schlimmsten Tag verbrachte ich im Restaurant einer Herberge. Als ich mich am Nachmittag wieder in die Kälte wagte, stand Eric vor dem Restaurant. Er lebt seit einem Jahr in Spanien, kommt aber ursprünglich aus Finnland. Er lud mich für eine Nacht in sein Apartment ein. Zum Abendessen gab es Toast mit Thunfisch, Ketchup und Käse überbacken.

Auf einer wunderschönen Strecke durch den Parque Natural Sierra de Grazalema ging es weiter nach Ronda. Und von da über den Pass Puerto de Las Palomas welcher mich besonders begeisterte. Steht man auf dem Pass, sieht man auf der einen Seite, wie sich die Ebene der Sierra 800 Meter unter einem erstreck Auf der anderen Seite hatte ich eine phantastische Aussicht auf Zahara und den benachbarten See, der 1000 Meter unter einem hellblau herauf schimmert. Warum mich hier oben alle Rennradfahrer*innen etwas verwundert ansahen, konnte ich mir nicht erklären.

In Sevilla kam mal wieder alles anders als erwartet. Als erstes investierte ich etwas Geld, kaufte mir ein neues Nutellamesser, eine Bratpfanne und einen neuen E-Reader. Die gemütlichen nächte im Hotel sind hier in Europa wieder vorbei und ich brauche schliesslich etwas Beschäftigung. Neu ausgerüstet war Sightseeing angesagt. Vor allem die riesige Kathedrale interessierte mich. Doch in der Altstadt was das Las Fallas-Fest im vollen Gange und alle Plätze waren überfüllt mit Partytouristen. So kenne ich jetzt vor allem die angesagten Pups der Stadt und muss für die historischen Gebäude ein anderes Mal wiederkommen. Alle Hostels waren ausgebucht und so verliess ich auf der Via de la Plata am Abend die imposante Stadt wieder.

Die Ruta de la Plata zieht sich über hunderte Kilometer in Nord-Süd-Richtung, wurde von den Römern als Handelsstrecke genutzt und gehört heute zu den Caminos de Santiago. Ich wollte nicht nach Santiago, aber der Pilgerweg war ideal mich Portugal zu nähern. Landschaftlich war es leider nicht mehr so interessant wie noch in Andalusien. Aus der Extremadura in Spanien kommt der edelste Schinken. Alles war sehr grün, eingezäunt und für die Schweinezucht. Es herrschte praktisch kein Verkehr und man konnte immer mal wieder auf eine Dirtroad in den Nationalpark ausweichen. Und ich traff auf viele Radfahrer*Innen, unteranderem die neun-köpfige Truppe von b’twin. Sie waren bezahlt auf einer zehn tägigen Tour und testeten ihre Produkte. Was für ein Job. Wie in Marokko wurde man als Pilgerer am Strassenrand abgefangen und in Unterkünfte gebracht. Doch als Pilger lebt es sich ganz gut, fand ich heraus. Ich genoss viel Wein, ein warmes Bett und Frühstück. Sogar meine Wäsche wurde mir waschen.

Trotzdem verliess ich in Zafra die Routa de la Plata und machte mich auf nach Portugal. Der letzte Tag in Spanien war noch einmal scheusslich nass und kalt. Zehn Minuten bevor ich die Grenze überquerte, hagelte es sogar.

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