Côte d’Azur

Nach zwei  Wochen Kletterferien ging es weiter in Richtung Westen. Gestartet bin ich mal wieder mit Gegenwind. Da es an der Uferpromenade des Mittelmeers entlang ging, war dies nicht nur anstrengend, nein ich erhielt auch immer mal wieder eine nette Saltzwasserdusche. Früh beschloss ich mich um eine Übernachtungsmöglichkeit umzusehen und wurde auch fündig. Meine erste Nacht zurück auf dem Fahrrad verbrachte ich in dem Rohbau einer nicht fertiggebauten Villa. Die Aussicht auf das Meer und die Küstenortschaft war überwältigend. Am zweiten Tag ging es nach San Remo, das italienische Möchtegern Monte-Carlo. Da ich am Strand keine mir erhoffte Campmöglichkeit fand, steuerte ich auf einen Campingplatz zu. Im Preis inklusive war Weihnachtsmusik aus den nahegelegenen Duschen. Die ganze Nacht lang… Anfangs November… ich schlief herrlich. Ist es wirklich schon Weihnachtszeit? Ich trage jeden Tag kurze Hosen und T-Shirt. Aber auch in Frankreich wurde bereits in jeder Ortschaft die Weihnachtsbeleuchtung montiert und ich konnte bereits die ersten Weihnachtsmärkte besuchen.

In Menton hatte ich mich für eine der drei Corniches, der drei Küstenstrassen, zu entscheiden. Da ich eine gute Aussicht immer einer Fahrt durch ein Fürstentum vorziehe, entschied ich mich für die höchstgelegene, die Grande Corniche. Besonders von La Turbie war die Aussicht wirklich spektakulär. Beim Aussichtspunkt auf Monaco baute ich mir mein Zelt auf und genoss sowohl Sonnenuntergang wie –aufgang. Nach einer windigen Nacht wollte ich meine Fahrt auf der Panoramastrasse fortsetzen, nur war diese leider gesperrt. Es ging also wieder bergab. Ich  konnte mir so das Steinhausdörfchen Èze ansehen, welches definitiv einen Besuch wert ist. Erinnern werde ich mich auf alle Fälle an das Dorf auf dem Gipfel  des Felsens. Einerseits weil ich mich tatsächlich in dessen Gassen verirrte und zweitens weil ich beim Kaffeetrinken feststellen durfte, das Trump gewählt wurde.  Wie versteinert sass ich vor dem Fernseher und kam so anschliessen das erste Mal, zwar in etwas holprigem Französisch, mit Einheimischen ins Gespräch.

Entlang der Küste ging es weiter nach Nizza, von da nach Antibes und dann ab ins Esterel Gebirge. Hier wollte ich mal wieder etwas wandern. Bevor ich in die Berge abbog, fuhr ich allerdings die Küstenstrasse ab. Die Felsen aus rotem Porphyr machen das Gebirge zu etwas ganz Besonderem, denn durch den Kontrast mit dem azurblauen Wasser entsteht ein unvergleichliches Farberlebnis. Aber auch die Strasse im Hinterland hatte ihren Reiz und die Aussichten vom Pic du Cap Roux und Pic de l’Ours waren schier atemberaubend. Etwas unglücklicher verlief meine Fahrt zurück auf die Hauptstrasse. Mein eingeschlagener Track, welcher auf meiner Karte wunderschön aussah, endete in einem Gestrüpp aus Dornen. Der einzige Ausweg aus der Situation war Zähne zusammen beissen, schieben, fluchen. Irgendwann konnte ich auf Fahrradschieben in einem Fluss ausweichen, was ich auch tat. Ich fand zurück und meine Beine sehen mittlerweile auch wieder ganz ok aus.

Meine Fahrt ging weiter der Küste entlang. Die Ortschaften unterschieden sich nicht gewaltig voneinander. Gefallen mir aber meistens sehr gut. Überall verbrennt Irgendjemand Irgendetwas in seinem Garten. Dies ist dann vor allem Unterhaltsam, wenn die Feuerwehr unter Blaulicht ausrückt. Auch der Kaffee schmeckt in Frankreich. Das Cappuccino erhält man immer mir Schlagsahne, was will man mehr.

Einen etwas längeren Halt machte ich in der Nähe von Hyères. Hier gab es Flamingos zu bewundern. Allerdings bin ich von den Tieren etwas enttäuscht. Das einzig tolle an ihnen ist, dass sie in Gruppen immer alles synchron machen. Ansonsten stecken sie immer den Kopf unter Wasser und sind furchtbar langweilig.

Vor den Toren von Marseille erkundete ich für fünf Tage den Nationalpark Calanques. Der steilwandige Küstenabschnitt ist Landschaftlich etwas vom tollsten was ich je gesehen habe. In den Buchten, die teilweise wie Fjorde ins Land hineingehen, liegt flaschengrünes Meerwasser. Und da fast kein Erdreich vorhanden ist, ankern die Pflanzen in Ritzen und Felsspalten des weissen Kalksteingebirges. Auf der kurvenreichen Route de Crêtes fuhr ich, nachdem ich bei einem Aussichtspunkt mal wieder eine wunderbare Nacht verbracht hatte, nach Cassis. Mein Fahrrad parkierte ich in der Jugendherberge inmitten des Nationalparks, packte meine Kletterfinken in den Rucksack und war anschliessend zu Fuss unterwegs. Die Sonne schien, ich traf auf neue Freunde welche mich am Fels sicherten, mein Aufenthalt im Nationalpark war perfekt.

Weniger schwärmen kann ich von Marseille. Das Zentrum ist ganz nett, aber ausserhalb ist es so richtig wüst. Die meisten Autos, welche am Strassenrand geparkt sind, sind wohl nicht mehr brauchbar und rundherum türmten sich berge von Abfall. Eine Stunde brauchte ich, bis ich endlich wieder auf dem Land war.

So und nun bin ich in Aix-en-Provence. Seit ich Finale Ligure verlassen habe, regnete es keinen Tag. Und nun sieht es danach aus, dass es die ganze Woche giessen wird. Ich bin froh, kann ich für ein paar Tage die Couch in einer grossartigen WG benutzen, bevor es weiter in das Luberon Gebiet geht.

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