Flumenthal – Finale Ligure

Wie ist es also durch die Schweiz zu touren. Meine Erkenntnis ist: Unser Radwegnetz ist super und man fährt eigentlich immer entlang einer Autobahn, Zugstrecke oder Stromleitung. Dies trifft auf alle Fälle auf meine gewählte Route zu.  Erinnern werde ich mich bestimmt an die Gotthardüberquerung. Verkehrsmässig grenzmässig, dafür Landschaftlich das absolute Highlight, führte die Streck entlang des Vierwaldstättersees. Die Nähe zum warmen Süden war durch den Föhn direkt spürbar. Bei übelstem Gegenwind kämpfte ich mich hoch nach Göschenen. Der Wind legte sich am folgenden Tag zwar, dafür regnete es nun. Ideale Voraussetzungen also um die restlichen Höhenmeter in den Angriff zu nehmen. Zirka fünf Kilometer vor dem Pass kann die Velofahrerin auf die alte Gotthardstrasse abbiegen. Die Strasse war zwar gesperrt, aber Absperrungen kann man ja umfahren. Eine Entscheidung welche sich ich eine viertel Stunde später als eher schlecht erwies. Mit etwas Schnee habe ich ja gerechnet, aber nicht dass er bereits liegen bleibt. Fahrradschieben im Schnee: Kalt wird einem nicht, ist aber eine verrückt rutschige Angelegenheit. Endlich auf dem Gipfel angekommen gönnte ich mir einen Punch und hoffte, dass sich das Wetter für die Abfahrt etwas verbessert. Tat es im Gegenteil. Nicht einmal einen Blick auf die alte kurvenreiche Gotthardstrasse konnte ich mir erhaschen, so dicht lag der Nebel. Auf der Autostrasse ging es also hinunter ins Tessin. Eisregen peitschte mir ins Gesicht und ich war gottenfroh, dass ich die einzige Person auf der Strasse war, so bestand immerhin keine Gefahr,  von hinten angefahren zu werden. Unten angekommen hatte ich überraschenderweise kalt. Und zwar so kalt, dass ich in Ambri sofort das erste Hotel ansteuerte. Ich wollte eine warme Dusche, ich wollte mich unter einer Bettdecke verkriechen. Mir war der Preis egal, mir waren meine Grundsätze egal, mir war alles egal. Ich hatte kalt, sehr kalt. Glücklicherweise erwischte ich nicht das übelste Hotel. Das Frühstück war auf alle Fälle erste Sahne und ich verbrachte den ganzen Morgen am Buffet. Der Nachmittag war etwas trockener und ich konnte meine Fahrt durchs Tessin fortsetzen. Es ging nur alles bergab bis nach Bellinzona. Von da fuhr ich nach Ponte Tresa, wo ich die Grenze überquerte.

Ich hatte keine Ahnung was mich entlang der Strecke erwartete. Mein Plan war es, auf direktestem Weg nach Finale Ligure zu fahren, da ich dort von Stefanie erwartet wurde. Und ich muss sagen, ich war sowohl landschaftlich wie auch verkehrsmässig positiv überrascht. Zwar wird man aus jedem Garten von Hunden angebellt, aber dies ist auch das einzige was mich etwas störte. Ich wurde mehrfach zu einem kurzen Caffè eingeladen und auch wenn die Kommunikation nicht einfach war, waren die Gespräche immer sehr herzlich und unterhaltsam.

Ich wurde von sonnigem und warmem Wetter in Italien willkommen geheissen. Die Naherholungsgebiete waren überfüllt von spazierenden und schachspielenden Italiener*innen. Ich fuhr entlang des Lago di Varese und von da zum Ticino River. Als ich am Abend mein Zelt aufbaute, gesellte sich Roberto zu mir. Dass ich zu dieser Jahreszeit so schnell auf Gesellschaft treffe, hatte ich nicht erwartet. Gemeinsam fuhren wir am folgenden Tag entlang des Naviglio Grande. Der Kanal diente als Transportweg für die Marmorblöcke für den Bau des Mailänder Doms. Und da wir schon in der Region waren, beschlossen wir, auch dem Dom einen Besuch abzustatten. Auf Pflastersteinen ging es zwischen hupenden Autos in die Innenstadt. Durch frech in die Pedale treten, deutliche Handsignale geben, sich auf den Verlauf der Tramschienen konzentrieren, damit waren wir bestimmte schneller als die Autofahrer in der Stadt; und mehr Adrenalin ausgeschüttet als alle anderen, hatten wir bestimmt auch.

Nach einem spontanen Besuch bei dem Fahrradherstellers Cinelli und der Rahmenproduktion von Columbus verabschiedete ich mich von Roberto. Auf direktem Weg ging es nach Pavia, von da dem Po entlang nach Alessandria und dann ab in den grossen, gewellten Obstgarten , voller Reben, Haselnusshainen und gepflegter Weingüter der Langhe. Auf und ab radelte ich durch die Hügellandschaft von der Feinschmeckerstadt Alba, zu den Weinorten La Morra, Barolo und Monforte d’Alba.

Das auffallendste Merkmal Liguriens ist die Tatsache, dass es nirgendwo flach ist. Dies wurde mir ganz besonders wenige Kilometer vor meiner Zieldestination bewusst. Dafür konnte ich bereits, wenn auch auf dem Tourenrad, die erste geniale Abfahrt durch das Mountainbike-Paradies geniessen. Finale Ligure liegt inmitten üppiger mediterraner Vegetation und besitzt ein breiter, feiner Sandstrand. Finalborgo, ein Kilometer von der Küste entfernt am Fluss Pora, war eher mein Zuhause. Es wird von mittelalterlichen Mauern eingerahmt und begeistert mit seinem Labyrinth alter Gassen und schönen Plätzen. Bei meiner Ankunft war es voll mit Bikes und sportbegeisterten Leuten, die ihr Aperitivo genossen. Und dies taten auch wir in den nächsten zwei Wochen. Auf dem Campingplatz traf ich mich mit Stö, welche mir meine Kletterausrüstung mitgebracht hatte. Am zweiten Tag lernten wir Cass kennen und waren von da an immer als Dreiergespann in den Bergen unterwegs. Jeden Morgen kauften wir bei Pepe unser Focaccia, danach ging es mit unseren Fahrrädern an den Felsen. Am Abend genossen wir Aperitivo und später Pasta mit einer Flasche Wein. Wir waren im Paradies! Mir gefiel es hier so gut, dass ich meinen Aufenthalt um eine Woche verlängerte. In der zweiten Woche stiess auch noch Christian zu uns. Dies änderte an unserm Tagesablauf jedoch nur so viel, dass wir auch ab und zu mit dem Bike unterwegs waren. Ende der zweiten Woche schloss leider der Campingplatz und somit belud ich mein Fahrrad und machte mich auf nach Frankreich.

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