Fez, Middle Atlas & the East

Ich verbrachte eine Nacht mehr als ursprünglich gedacht in Chefchaouen. Dieses blau hatte es mir echt angetan. Danach ging es weiter mit einer gemütlichen Fahrt nach Ouezzane. Die Strasse schlängelte sich gemächlich durch ein Valley und am Strassenrand sah man wie immer die Schafe, Ziegen, Esel und einzelne Kühe. Es ging hauptsächlich bergab, ich kam gut voran und als ich zur Mittagszeit auf ein Tee eingeladen wurde, nahm ich dieses Angebot das erste Mal an.

Ab Ouzzane verliess ich die Hauptstrasse und entschied mich für einen direkteren Weg nach Fes. Auf und ab ging es durch sehr grünes Farmland. Hier baut man Oliven an und die Landschaft erinnerte sehr an Spanien. Da es weit und breit keine Hotels gab fragte ich am Abend in einem Kaffee ob ich in der Nähe mein Zelt aufbauen dürfte. Hamid bejahte, lud mich aber zudem zu seiner Familie ein. So verbrachte ich meine erste Nacht mit Einheimischen.

Am Tag darauf erreichte ich Fez, die dritt grösste Stadt in Marokko. Es war die modernste Stadt, welche ich bis jetzt besucht hatte. Meine Interessen lagen aber der Altstadt. Durch die schmalen 9000 Gassen schreiten Männer in traditionellen Djellabas. Immer wieder wird man mit Barrack! aufgerufen, den Weg für Lastkarren freizumachen, die mit Männer- oder Eselskraft geschoben oder gezogen werden. Beim Ausweichen muss man dann aufpassen nicht auf eine der Strassenkatzen zu treten. Gelegentlich begegnet man auch einem Reiter auf seinem Pferd. Handwerker und Händler jeder Couleur bieten mehr oder weniger lautstark ihre Waren an. BettlerInnen sitzen an vielen Ecken, besonders an denen, die von den Touristengruppen tangiert werden. Viele heilige Stätten stehen für jeden offen, zum Beten, Meditieren oder Schlafen.

In der Medina kann man sich leicht verlaufen, man findet jedoch immer und überall „hilfsbereite“ Menschen, die einem den Weg weisen. Es gibt lizensierte Stadtführer, die man für relativ günstiges Geld engagieren kann, und man wird seriös bedient. Und es gibt die „faux guides“. Diese bieten bereitwillig ihre Dienste an und behaupten, kein Geld dafür zu wollen. Aber meist lernt man nur Ladenbesitzer kennen, bei denen sie Provision erhalten. Und hinterher wird man, entgegen ursprünglicher Behauptungen, mit Honorarforderungen konfrontiert. Und ihre Stimmung schlägt super schnell um, wenn man diese nicht erfüllen mag. Ich tat also so, als kenne ich mich in dem Gassenlabyrinth wunderbar aus und suchte mir den Weg zum Gerberviertel. Hier wird noch Leder nach herkömmlicher Art gefärbt. Es roch unglaublich übel hier und ich liess mir mal wieder unnötig 20 Dirham aus der Tasche ziehen, da ein Verkäufer behauptete, dass ich nur so fotografieren dürfe. Nach ein paar Stunden war mir Fez zu anstrengend und ich suchte zurück zu meinem Hostel. Es war Freitag und ich genoss mein erstes Couscous in Marokko.

Zurück auf dem Fahrrad ging es alles Bergauf in die Atlas Mountains. Und genauso wie sich die Landschaft veränderte, wurden nun andere Dinge am Strassenrand verkauft. Nun gab es Honig, Nüsse und versteinerte Fossilien. Der Höchste Punkt war der Col de Zad auf 2178 Meter. Wer hätte gedacht, dass ich nach der Gotthardüberquerung hier in Marokko meine ersten Tage im Schnee verbringen werde. Doch die Sonne brannte hier so stark, dass mir nie kalt wurde. Da die Kinder gerade Winterferien haben, war am Strassenrand einiges los. Es wurden Schneeskulpturen gebaut, geschlittelt, manchmal sah man sogar Leute auf Ski. Ifrane, das Skigebiet Marokkos, gilt bei der marokkanischen Mittel-und Oberschicht als das “St. Moritz Marokkos” und ist im Verhältnis zu anderen marokkanischen Städten dieser Grösse auffällig sauber. Ich traf hier auf roten Ziegeldächern, gepflegte Parks und überteuerte Restaurants. Nach einem Burger verliess ich die kuriose Stadt in den gleichnamigen Nationalpark.

Einmal den Pass erreicht hatte ich 300 Kilometer vor mir, in welchen es praktisch nur bergab ging. Der Schnee verschwand und die Umgebung wurde von Tag zu Tag trockener. Die Landschaft war grossartig. Ich war nun in der Wüste, folgte dem mit Palmen geschmückten Oued Ziz durch die Gorges du Ziz. Entlang der Strecke gab es viele kleine Berberdörfer und einige grössere Städte wie Midelt, El Rich oder El Rachidia, wo ich mich mit neuem Brot, Wasser und Früchten eindecken konnte.

In Ifris, einem weiteren Oasendorf durfte ich erneut unglaubliche Gastfreundschaft geniessen. Ich wurde von Mostapha eingeladen zwei Nächte in ihrem Berberdorf zu übernachten. Und so reiterte ich das erste Mal auf einem Esel, durfte mithelfen Olivenöl zu pressen, lernte wie ich Datteln von den Palmen hole, sass das erste Mal marokkanisch in einem Taxi (vier Personen auf dem Rücksitz) und trank so viel Tee wie noch nie in meinem Leben. Wir assen köstliches Essen vom Feuer, ich hatte eine „Dusche“ mit heissem Wasser vom Feuer, ich schlief auf aufeinandergestapelten Teppichen. Ich lebte also wie sonst auch und trotzdem war es sehr speziell. Wir verständigten uns in einer Mischung aus Französisch und Englisch und Mostapha übersetzte alles immer für seine Mutter. Selbst als ich weiterfuhr, erlaubten sie mir nicht noch ein frisches Brot und Früchte für die Weiterreise abzulehnen. Ich war froh, konnte ich ihnen immerhin meine alte Stirnlampe dalassen, welche auf der Toilette ohne Beleuchtung sicherlich hilft.

Zwei Tage später erreichte ich Merzouga in der Sahara und zu Füssen der Sanddünen Erg Chebbi. Sie sind die grössten und höchsten Dünen in Marokko. Als Erg bezeichnet man eine reine Sandwüste. 70% der Sahara ist jedoch eine Fels- und Steinwüste und mit dem Fahrrad einfacher zu befahren. Extrem müde von der Fahrt durch den vielen Sand erreichte ich den Wüstenort. Doch die eigentliche Anstrengung begann erst jetzt. Der Ort ist extrem auf Tourismus ausgelegt und jeder wollte mich überreden in ihrem Hotel zu übernachten, bei ihnen zu Essen, mit ihnen auf eine Kameltour zu gehen. Total genervt verwarf ich meine Pläne auf einem Zeltplatz zu übernachten. Mir einen ganzen Nachmittag anzuhören, dass ich eine private 4×4 Tour durch die Wüste bekomme, dass wir im Zelt übernachten könnten wie die Nomaden, erlebte ich schon die Nacht zuvor und ich hatte weder Interesse noch wollte ich diese Gespräche ein zweites Mal. Ich checkte in einem familiären Hotel ein, wo ich mich in ein ruhiges Zimmer einschliessen konnte. Die Erg Chebbi erklomm ich dann zu Fuss. Begleitet wurde ich von einem Teenager und ein paar Kids, welchen es anscheinend nichts ausmachte die Düne zum xten Mal zu erklimmen. Man das war super anstrengen. Die Düne nach dem Sonnenuntergang dann aber wieder runter zu rennen, das machte die ganze Mühe wert.

Für den Moment habe ich nun genug Sand gesehen und fahre jetzt wieder nordwärts zu den High Atlas Mountains. Ich will mich etwas im Schnee abkühlen bevor es in den nächsten Wüstenort Zagora geht.

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