Vancouver – Banff

Mit Julia verbrachte ich die ersten zwei Nächte in Vancouver. Die einmalige Lage am Pazifik, eingebettet in eine grandiose Bergwelt macht sie durchaus zu einer der schönsten Städte die ich je besucht habe. Mit dem sogenannten Aquabus, einem kleinen Wassertaxi besuchten wir Granville Island und genossen während der Fahrt die fantastische Skyline auf Vancouver. Das Herzstück von Granville Island ist der Public Market, eine Mischung aus Wochen- und Trödelmarkt welcher unglaublich hektisch aber unwiderstehlich war. Das weitere Highlight der Stadt ist der Stanley Park, das Naherholungsgebiet Vancouvers. Mit einer Grösse von vierhundert Hektar nimmt er eine ganze Halbinsel ein, ein grosser Teil davon ist Wildnis, durch die nur einige Wanderwege führen. Aber auch Vancouver ist einfach eine weitere Grossstadt und ich war froh, wollte auch Juli nach zwei hier verbrachten Nächten, weiterziehen.

Mit unserer Dodge fuhren wir am zweiten Tag auf den Sea to Sky Highway entlang der Sunshine Coast nach Whistler. Unterwegs besuchten wir mehrere eindrückliche Wasserfälle und wanderten am Abend im Garibaldi Provincial Park zum Cheakamus Lake. Hier bauten wir unser Zelt auf und wurden am nächsten Morgen mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Den nächsten Tag verbrachten wir lange im Auto. Grund dafür war, dass alle interessanten Wanderungen noch nicht machbar sind, da noch zu viel Schnee liegt. Bereits für Sehenswürdigkeiten etwas abseits Strasse mussten wir durch Schnee waten und immer wieder über umgefallene Bäume klettern.

Im Fraser Canyon wurde die Landschaft zunehmend trockener. Im Marble Canyon Provincial Park haben wir schliesslich unser Feuer entfacht und die Nacht verbracht. Die Wälder und die schneebedeckten Berge waren verschwunden, eine breite braune Hügellandschaft breitete sich aus und wir fühlten uns plötzlich wie im Wilden Westen. Lange, für europäische Verhältnisse sogar unvorstellbar lange, zum Teil sogar doppelstöckige Güterzüge schlängeln sich durch den Canyon. Wir zählten 192 Wagen und danach war es uns zu doof, dies für einen Vergleich bei weiteren Zügen erneut zu tun.

Als wir zurück in den südlichen Teil Kanadas kamen, gelangten wir wieder in Landschaftsformen, die vom Regenwald, über schneebedeckte Berggipfel, eine Kette kleiner Seen bis zu breiten Tälern reichte. Da auch der Zeltplatz im Manning Provincional Park noch geschlossen war, parkten wir unser Gefährt direkt am Lightning Lake und schliefen, nach einer Älplermaccaroni aus meinem Gaskocher, im Auto. Auch hier konnten wir die gewünschte Wanderung nicht durchführen, denn ein Gate versperrte uns den Weg zum Startpunkt. Zwar hatten wir jeden Tag Kurzehosenwetter, doch die Parkrangers haben scheinbar einen strickten Zeitplan, wenn sie die Bergstrassen in den Nationalparks öffnen dürfen.

Das sonnige Okanagan Valley ist der Weinberg und Obstgarten von British Columbia und gehört zu den wärmsten Gegenden Kanadas. Als Alternative mietete sich Julia in Kelowna ein Velo und wir machten eine Velotour im Mira Canyon. Die Strecke führte über 18 alte Trestles und durch zwei Tunnels.
Nach einer Fährefahrt über den Kootenay Lake gelangten wir nach Revelstock. Die geplante Wanderung auf den Idaho Peak an diesem Tag fiel übrigens ins Wasser, da ein Baumstamm auf der Zufahrtstrasse lag.

Die Aussicht vom Mt Revelstock konnten wir als altbekannten Gründen leider nicht geniessen und so fuhren wir weiter nach Osten zum Glacier Nationalpark. Über vierhundert Gletscher sollen in dessen Gebiet liegen, doch von der Strasse sah man leider keinen davon. Nachdem wir das Gipfelkaffee auf dem Rogers Pass getrunken hatten, konnte Julia endlich ihre Wanderschuhe auspacken. Der erste Track war wie ich es am liebsten mag: kurz, streng, aber mit bombastischer Aussicht. Glücklich fuhren wir danach weiter in den Yoho Nationalparkt, wo wir mein Zelt aufstellten und einen herrlichen Sonnenuntergang genossen. Im Yoho Nationalpark spazierten wir als erstes um den smaragdgrünen Emirald Lake. Anschliessend staunten wir über die Natural Bridge, welcher der Kicking Horse River auf seinem Weg hinunter in das Valley aus dem Gestein herausgearbeitet hat. Ein paar Fahrminuten später wanderten wir mit dem Zelt im Rucksack auf den Paget Peak. Überraschenderweise schwamm noch Eis im kleinen Gletschersee, wo wir unser Zelt aufschlugen.

Danach ging es auf dem Trans-Canada Highway nordwärts nach Lake Louise im Banff Nationalpark. Hier wurde das Wetter schlechter. Wir verzichteten auf eine Kanufahrt auf dem See und machten erneut eine kurze Velotour. Die Strasse zum Moraine Lake war zu dieser Jahreszeit auch noch geschlossen, doch mit den Fahrrädern konnten wir das Gate umfahren. Ganz ohne Turistenhorden konnten wir die Aussicht auf den leuchtend blauen See und die gezackte Bergkette dahinter geniessen. Einzig Goldmantelziesel und Streifenhörnchen lenkten uns vom Staunen ab.

Der Besucheransturm in Banff war trotz der Saison und dem schlechtem Wetter jetzt schon schrecklich riesig. Wir schliefen die vier Nächte versteckt hinter ein paar Bäumen am Vermilion Lake. In der ersten Nacht hatten wir noch einen schönen Sonnenuntergang und verbrachten den Abend am See. Die darauffolgenden Tage waren zu kalt und zu nass um das Abendessen draussen zu essen. Bei noch klarem Wetter wanderten wir die 5.5km auf den Sulphur Mountain und genossen den grandiosen Rundblick. Nach der Gondelfahrt hinunter liessen wir den Abend in den Upper Hot Springs ausklingen. Diese haben wir allerdings hauptsächlich deshalb besucht, da wir sehr dringend eine Dusche nötig hatten. Weiter besuchten wir in Banff die Hoodoos, wanderten entlang des Lake Minnewanka und zu den Inkpools. Auch die Regenzeit konnten wir mit einem abwechslungsreichen Programm füllen. Er viel vor allem kulinarisch aus. Wir probierten die lokalen Beavertails, assen einen Elkburger und besuchten die Spagetti Factory. Wenn nicht auf dem Teller, sahen wir übrigens auch sonst zwei Bieber und jede Menge Wapiti-Elks. Daneben habe ich den Wolf, den Fuchs, tausende von Erdhörnchen, Kolibis und einen weiteren Bären noch nicht erwähnt.

Mittlerweile bin ich wieder in Gesellschaft mit meinem Velo unterwegs und habe bereits den fantastischen Icefields Parkway in den Beinen. Davon aber an meinem nächsten Regentag mehr.

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